Gut geplant ist halb gewonnen

 

Der Februar – #artedutalk  am 21.2.2018 beschäftigte sich mit dem Thema „Einsatz digitaler Vermittlungstools“. Hier wurden einige interessante Fragen aufgeworfen. Natürlich wurde auch die Sinnhaftigkeit von Apps wieder beleuchtet. Angefügt habe ich hier den Thread zur Frage nach den Herausforderungen bei Einführung digitaler Tools. Vieles davon kann ich nur aus tiefster Überzeugung bestätigen, wobei wir als Techniker und Entwickler noch ein paar andere Akzente setzen würden.

Eins scheint sicher zu sein: Mittlerweile scheint die Erkenntnis bei vielen durchgedrungen zu sein, dass nur sehr wenige BesucherInnen gewillt sind, zu jeder Ausstellung oder vor jedem Museumsbesuch eine App aufs Own Device herunterzuladen. Und wenn, dann müssen die Apps einen erkennbaren Mehrwert bieten. Oder Teaser-Qualitäten bieten wie die #ConstructKlee App der Pinakotheken.

Nachdem die App lange als Mittel der Wahl galt, um den traditionellen Audioguide zu ergänzen oder zu ersetzen, ist Ernüchterung eingetreten. Die Suche nach Alternativen birgt viele Chancen, aber auch Gefahren. Ein musermeku-Beitrag von Angelika Schoder hat mich dazu angeregt, meine Gedanken hierzu festzuhalten. In diesem Beitrag zum Hansemuseum in Lübeck bin ich an der Erwähnung der RFID-Technologie hängen geblieben. Da wir bei tuomi in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen viel mit NFC arbeiten, hat mich dies natürlich interessiert. Vor allem weil der Beitrag (einen Beitrag der Journalistin Lina Timm kommentierend) mit der eingesetzten digitalen Ausstellungstechnik kritisch ins Gericht geht. Da ich das Museum bislang noch nicht besucht habe, kann ich die Kritik nicht bewerten. Die Kernaussage kann ich jedoch nur bestätigen: Digitale Ausstellungstechnik ist nicht Selbstzweck, sondern ein Vermittlungsinstrument. Sonst wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Debakel, innovative Technologien einzusetzen. Das gilt nicht nur für RFID, sondern für alles, was sich auf dem Markt tummelt. Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es noch nicht sinnvoll sein.

Eigentlich sollten die folgenden, völlig unprätentiösen Punkte, die aus unserer Sicht im Planungs- und Umsetzungsprozess eine entscheidende Rolle spielen (vor allem auch die Einhaltung der Reihenfolge), selbstverständlich sein. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das in vielen Fällen leider nicht zutrifft.

  1. Bevor es Sinn macht, sich über die technischen Möglichkeiten zu informieren, werden die Ziele klar formuliert. Für die spätere Wahl der Technik ist es wichtig zu wissen, für wen ein Vermittlungstool geschaffen werden soll. Bestenfalls wurden die unterschiedlichen Bedarfe ermittelt, z.B. durch Besucherbefragungen (zu Erwartungen oder Kritik an bereits bestehenden Guidelösungen). Vor allem bei inklusiven Projekten sollten auch Experten (v.a. die späteren Nutzer) von Anfang an einbezogen werden. Ebenso sollte feststehen, welche Ziele erreicht werden sollen. Aus analogem Content eine gut funktionierende digitale Story zu machen, ist die größte, schwierigste und zeitaufwändigste Aufgabe am ganzen Projekt. Selbst wenn die Story noch nicht festgelegt ist, sollte Klarheit darüber bestehen, dass ein Team viel Zeit und Arbeit in dieses Projekt investieren wird. (Das deckt sich mit den Aussagen beim heutigen ersten Impuls Panel bei der smART places Konferenz im zkm Karlsruhe, der man Gott sei Dank per Stream auf Youtube folgen kann).
  2. Eine Bestandsaufnahme im Gebäude ist von großer Wichtigkeit. Architektonische sowie klimatische Bedingungen und die technische Infrastruktur müssen analysiert werden. Auch die durchschnittlichen Besucherzahlen spielen eine große Rolle. Diese Informationen sind Grundlage für die Auswahl der digitalen Technik. Nur so kann gewährleistet sein, dass die Systeme nachher auch zuverlässig funktionieren.
  3. Vor allem bei Sonderausstellungen oder Umgestaltungen von Dauerausstellungen sollte frühzeitig die Frage gestellt werden, welchen Stellenwert digitale Medien einnehmen werden. Als integraler Bestandteil einer Ausstellung sollten sie so früh wie möglich eingeplant werden. Ein Team all derer, die in unterschiedlichen Bereichen (Kuratieren, Gestaltung, Vermittlung und Inklusion, digitale Technik, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing und nicht zuletzt Finanzen) am Projekt beteiligt sind, treten also möglichst frühzeitig in einen engen Austausch.
  4. Die technologische Entwicklung schreitet so schnell voran, dass es kaum möglich ist, den Überblick zu wahren. Um ein zufriedenstellendes (im besten Falle begeisterndes) Ergebnis zu erzielen, müssen Inhalte, Vermittlungskonzepte, Technik, Besuchererwartungen und Umgebungsbedingungen im weitesten Sinne perfekt zusammenspielen. Externe Expertenberatung für den Bereich der Technologie kann hier sehr hilfreich sein, aus dem großen Pool der Möglichkeiten die richtige Wahl zu treffen. An diesem Punkt des Prozesses können Vermittlungskonzepte weiter geschärft werden, da nun klar ist, welche digitalen Möglichkeiten eingesetzt werden können und zu den zu erwartenden Nutzern und den Zielen passen. Gewählt werden sollte ein flexibles und skalierbares System, um ein Ausprobieren, ein eventuelles Scheitern und anschließendes Verbessern kostengünstig und ohne Aufwand möglich zu machen.
  5. Ebenso sollte hier Klarheit über das Budget (das beinhaltet auch Folgekosten für Support, Maintenance und Aktualisierungen) bestehen, so dass ein digitales Projekt nachhaltig betrieben werden kann.
  6. Nicht zuletzt sollten Datenschutzrelevante Aspekte berücksichtigt werden. Unter Umständen ist auch hier Beratung sinnvoll.

Diese Fragen sollten auf jeden Fall beantwortet werden, bevor eine Entscheidung zu digitalen Medien gefällt wird. Auch für die Formulierung einer Ausschreibung und eines Leistungsverzeichnisses sind die Antworten Grundlage, um das für das eigene Haus, die eigenen Besucher und die eigenen Mitarbeiter passende Ergebnis erzielen zu können.

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