„Wie digital sollten Museen sein?“ –  Mit Gelassenheit und guter Beratung digitale Angebote ganz natürlich im Museum integrieren

 

Der Einladung zur Blogparade : „Wie digital sollten Museen sein?“ von Dr. Thorsten Beck folge ich nun auch gerne.

Das alltägliche Leben der Menschen wird heute schon von zahlreichen digitalen Angeboten und Techniken geprägt. Es ist kaum vorstellbar, dass in naher Zukunft noch irgendjemand Verständnis dafür wird aufbringen können, wenn Kultureinrichtungen sich nicht an diesem Prozess beteiligen. Natürlich sind auf dem Weg zu einem digitalen Museum auch noch einige bedeutende Hürden aus dem Weg zu räumen. Dazu gehören neben den schmalen Budgets, dem fehlendem Personal, der mangelhaften Infrastruktur und starren Hierarchien auch Urheberrechtsfragen und damit verbundene Fotoverbote. (Kleiner Exkurs dazu: Erst kürzlich wurde ich mit einem kuriosen Fall konfrontiert. Das MAKK in Köln gab seiner neuesten Ausstellung zu Peter Behrens sogar einen Titel mit Hashtag: „#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“. Zahlreiche weitere Hashtags wie #gesamtkünstler oder #avantgardist tauchten in der Ausstellung auf, allerdings war das Fotografieren verboten! Somit war es unmöglich, zu den Hashtags Bilder aus der Ausstellung zu posten. Die Idee mit den Hashtags gefällt mir, allerdings war es unbefriedigend, da die Einladung zum Fotografieren und Teilen doch nicht ernst gemeint war.)

Die bisher erschienenen Beiträge zu dieser Blogparade „Wie digital sollten Museen sein?“ beschreiben schon recht umfassend, welche digitalen Angebote Museen machen sollten. Dem kann ich mich nur anschließen (wobei ich hinzufügen möchte, dass alle Angebote responsiv und barrierefrei und inklusiv sein müssen).

Die Diskussion um digitale Strategien und Profile für Museen ist zweifellos wichtig und richtig, allerdings frage ich mich, ob dieses Thema nicht mit etwas mehr Gelassenheit behandelt werden könnte.  Digitale Technik ist nur ein Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck. Sicher werden, nicht alle potentiellen Besucher*Innen vor, während oder nach dem Besuch digitale Angebote nutzen wollen, aber mit fortschreitender Digitalisierung wird die Zahl der Nutzer zunehmen. Eine digitale Strategie muss in eine Gesamtstrategie eingebettet sein, so dass Museen für eine möglichst große Anzahl von Besuchern etwas Passendes bieten können. Muss es ein „digitales Museum“ sein? Oder einfach nur ein Museum, das ganz natürlich auch digitale Technik und Angebote nutzt, um seine Inhalte und Absichten bestmöglich zu kommunizieren? Wohin der technische Fortschritt uns in der Zukunft führen wird, können wir nicht wirklich abschätzen. Welche der vielen Innovationen werden sich wirklich durchsetzen bzw. werden relevant für das Alltagsleben und damit auch für die Museen? Es scheint vor allem wichtig zu sein, dass wir uns ein agiles Mindset zulegen. Digitalisierung in Museen ist kein Projekt, das bald abgeschlossen sein wird. Wir befinden uns in einem langfristigen Prozess, der unglaublich viele Bereiche der Arbeits- und Lebenswelt betrifft. Somit ist es auch schwierig, das Projekt „Digitalisierung des Museums“ langfristig vorauszuplanen. Im Team wird man immer wieder aufs Neue Lösungen entwickeln müssen, ausprobieren, kontinuierlich weiterentwickeln und sich an veränderte Anforderungen und Realitäten anpassen müssen. Panikartige Reaktionen und Schnellschüsse sind also völlig unnötig. Es ist vielmehr sinnvoll, sich frühzeitig kompetent und umfassend beraten und unterstützen zu lassen, um über die richtigen digitalen Angebote für die Gesamtstrategie des eigenen Hauses zu entscheiden. Bei all dem wird aber der größte Schatz der Museen immer der gleiche bleiben: Museen sind reale Orte mit realen Objekten und der Möglichkeit zum persönlichen Treffen und Austausch an einem schönen, interessanten und lehrreichen Ort, der für alle offen sein sollte.

Um doch noch mehr oder weniger kurze Statements zu den 4 Fragen abzugeben:

  1. Jedes Museum braucht eine eigene responsive und barrierefreie Website mit einem klaren Konzept. Sicher wird man auch nicht mehr auf eine Präsenz in den sozialen Medien verzichten können. Welche Kanäle im Einzelfall die passenden sind, hängt von den Museen ab. Langfristig sollte es auch ein Ziel sein, Online-Sammlungen aufzubauen. Auch digitale Vermittlungsangebote in den Ausstellungen werden von den Besucher*Innen zunehmend erwartet.
  2. Wettbewerbsfähig mit wem? Ich glaube nicht, dass sich Museen untereinander nur deshalb Konkurrenz machen, nur weil eines digitaler ist als das andere (vielleicht abgesehen von einer ordentlichen Website. Wer keine Website hat, wird schließlich kaum gefunden). Die Besucher treffen ihre Wahl wohl eher nach Interessengebieten. Und ob Museen wirklich eine Konkurrenz für Entertainmentangebote sein können, wollen oder sollen, ist fraglich. Allerdings wirkt es total aus der Zeit gefallen, wenn man sich dem technischen Fortschritt verschließt. Das wirkt nicht anziehend auf Besucher*Innen. Das Gegenteil ist der Fall, es ist wenig zeitgemäß und nicht an den Wünschen und v.a. Bedürfnissen Nutzer*Innen orientiert. Es ist eher die Frage, ob man sich das leisten darf, wenn Museen weiterhin eine gesamtgesellschaftlich getragene und finanzierte Aufgabe bleiben sollen. Gerade unter dem Gesichtspunkt ist es sicher unbedingt nötig, sich auch in der digitalisierten Welt weiterzuentwickeln. Und es wird ungewollt komisch wirken, wenn Museen hier nicht mit der Zeit gehen.
  3. Es gibt nicht die eine digitale Strategie und das eine Profil, das zu allen Häusern gleichermaßen passt. Gute Planung und Beratung helfen, eine optimale Lösung zu finden. Nur dann wirkt die Gesamtlösung in Kombination mit der Sammlung, den Inhalten, Arbeitsabläufen und den analogen Angeboten wie aus einem Guss. Das kann nur gelingen, wenn alle Mitarbeiter*Innen mit an Bord geholt werden und als Team hinter einer digitalen Strategie stehen. Vernetzte Systeme werden immer stärker in den Fokus geraten. Insellösungen gehört nicht die Zukunft. Allerdings wird es auch nicht die digitale „eierlegende Wollmilchsau“ geben können, dafür ist das Anforderungsprofil viel zu komplex. Aber gute, flexible, vernetzte Lösungen lassen sich nur in einem vernetzten Team erarbeiten, das auch auf seine unterschiedlichen Besucher*Innen hört.
  4. Das Museum der Zukunft integriert digitale Angebote ganz natürlich. Dies ist ein möglicher Weg, sich mehr nach außen zu öffnen und mehr Menschen den Zugang zu erleichtern. Eigentlich möchte ich gar nicht von einem „digitalen Museum“ sprechen. Viele Museen definieren sich gerade grundsätzlich neu, es geht viel um Relevanz und die Bedeutung bzw. Rolle der Museen im gesellschaftlichen Diskurs, um Partizipation und Inklusion, um nur einige wenige Stichworte zu nennen. Auch drängt die Frage, wie neue Besuchergruppen erschlossen werden können. In diesen Rahmen gehört es auch, aktuelle gesellschaftliche wie technische (also digitale) Entwicklungen einzubeziehen. Das sollte eigentlich völlig selbstverständlich sein, wenn man relevant und aktuell bleiben möchte. Ich wünsche mir noch offenere Museen, die sichtbarer Teil des öffentlichen Raumes sind (ein zugegebenermaßen sehr kostspieliges Beispiel ist die Dependance des Rijcksmuseums am Flughafen Schiphol, Amsterdam) und dabei selbstverständlich auch „digital“ agieren, so wie es in zunehmendem Maße der Lebensrealität der Besucher*Innen entspricht. Museen, die ganz nah an den Menschen und ihren Bedürfnissen sind.

 

Die Entwicklung schreitet schnell voran. Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssten alle Museen jetzt loslegen. Und dabei die Risiken nicht höher bewerten als die vielfältigen und spannenden Chancen, die sich bieten!

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