Das Pfalzmuseum für Naturkunde und NFC. Auf dem Weg hin zu mehr Barrierefreiheit

Wie kann man eine bestehende Ausstellung durch digitale Vermittlungsmedien barrierefreier gestalten? Diese Frage stellte man sich im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim.
Die aktuelle Sonderausstellung bietet in ihrer „analogen“ Form bereits sehr viele schöne Elemente.

Zunächst einmal der vielversprechende Titel „Alles Scheiße“ und das dazu gehörende Ausstellungsplakat, das ein Nashorn in der Savanne von seiner besten Seite zeigt. Eine ansprechende Gestaltung der Ausstellungsarchitektur, spannende und informative Texte zu einer Vielzahl von Objekten. Hands-On-Stationen und Mitmachmöglichkeiten. Bislang waren die Texte jedoch lediglich in deutscher Sprache auf Dokumentationstafeln gedruckt. Das Pfalzmuseum will in Zukunft seine Angebote für alle zugänglich machen und hat sich daher entschieden, erste Schritte in diese Richtung zu beschreiten. In diesem Interview sprachen wir mit Dr. Frank Wieland, dem Direktor des Pfalzmuseums für Naturkunde darüber, aus welchen Gründen man sich dort für unseren NFC-basierten Mediaguide entschied und wie sich die Umsetzung gestaltete.

 

Warum haben Sie sich dazu entschieden, einen mobilen Mediaguide einzusetzen? Welche Ziele möchten Sie damit erreichen und wer sind Ihre Zielgruppen?

Frank Wieland: Das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim präsentiert den Menschen die Natur der Pfalz. In einem vielfältigen naturwissenschaftlichen Bildungsprogramm werden die Zusammenhänge in der Natur vermittelt. Die wissenschaftlichen Sammlungen des Vereins für Naturforschung und Landespflege POLLICHIA e. V. bilden hierbei die Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit sowie die Dauer- und Sonderausstellungen.
Uns liegt es am Herzen, die Teilhabe an den Inhalten des Naturkundemuseums für alle Menschen zu ermöglichen. Das Thema ist komplex und nicht immer zufriedenstellend umzusetzen. Im Zuge der Erhöhung der Barrierefreiheit haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, gleich mehrere Zielgruppen zu erreichen. Eine Möglichkeit hierzu bietet ein Mediaguide, mit dem beispielsweise verschiedene Fremdsprachen, einfache Sprache, einfach zu lesende Schrift und vertiefende Ebenen wie zusätzliches Bild- und Videomaterial präsentiert werden können. Unsere primären Zielgruppen für das System sind zum einen Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit. Ihnen ist es mittels der sehr einfach zu bedienenden Tablets möglich, die Ausstellungsschrift in unserer Sonderausstellung deutlich zu vergrößern und wahlweise in heller Schrift auf dunklem Untergrund oder umgekehrt darzustellen. Zudem war es uns wichtig, als zweite Zielgruppe zunächst englischsprachige Gäste zu erreichen.

Warum haben Sie sich für einen NFC-basierten Mediaguide entschieden? Welche Vorteile sehen Sie in dieser Technologie?

Frank Wieland: Wir haben uns verschiedene Systeme zeigen und erklären lassen. Für ein Beacon-basiertes System sind unseres Erachtens die Räumlichkeiten für unsere Sonderausstellungen zu klein, um die feine, vitrinenspezifische Auflösung zu gewährleisten. Wir wollten zudem unabhängig vom WLAN sein, da das Museum in dieser Hinsicht (noch) nicht ausgestattet ist. Die NFC-Technologie war diesbezüglich für uns die optimale Lösung. Uns gefällt es sehr, dass gerade älteren Menschen die Möglichkeit offen steht, die Texte auf dem Tablet zu aktivieren und sich dann in Ruhe zum Lesen in der Ausstellung hinzusetzen. Zudem ist die hohe Auflösung für uns interessant – bei Bedarf könnten wir an jedem einzelnen Objekt einen eigenen NFC-Chip anbringen.

Gerade die Finanzierung eines solchen Projekts ist häufig nicht ganz einfach. Wie konnten Sie Ihre Träger von dem Projekt überzeugen?

Frank Wieland: Das Museum wird von einem Zweckverband getragen, der über die geplanten Mittelanmeldungen des jährlichen Haushalts abstimmt. Anschaffung und Unterhalt eines solchen Systems sind kostspielig und selbstverständlich wurde zunächst eruiert, ob die Installation Sinn macht und tatsächlich auch genutzt werden wird. Im vergangenen Jahr gab es am Pfalzmuseum eine große gemeinschaftliche Veranstaltung des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz, der Lebenshilfe Bad Dürkheim und des Museums. Bei diesem Begegnungstag unter dem Dach des Projektes „Museum – einfach für alle“ des Museumsverbandes und der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz wurde 59 Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen und hohem Unterstützungsbedarf der Zugang zu den Inhalten des Naturkundemuseums ermöglicht. Zu diesem Termin gab es eine Einführungsveranstaltung, bei der auch der Bezirkstagsvorsitzende Herr Wieder und der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie des Landes Rheinland-Pfalz, Herr Rösch, Grußworte gesprochen haben. Dieser Tag hat noch einmal ganz deutlich gezeigt, was im Bereich der Teilhabe behinderter Menschen am kulturellen Leben möglich ist und wie wichtig es ist, die Barrierefreiheit zu steigern.
In Hinblick auf die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Mediaguides wurde das Projekt vom Zweckverband positiv beschieden. Gefördert wurde die Einrichtung des Systems dankenswerterweise durch das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz sowie durch die Stiftung des Landkreises Bad Dürkheim für Kultur, Soziales, Umwelt, Bildung, Unterricht und Erziehung.

Wie sehen Sie die Perspektiven? Was planen Sie mit dem Mediaguide in der nächsten Zeit?

Frank Wieland: Selbstverständlich muss in den zwei Jahren der Laufzeit geschaut werden, wie das System von den Menschen angenommen wird. Gerade bei älteren Menschen muss oft die Scheu vor der Technik ein wenig genommen werden. Allerdings hatte ich persönlich bisher sowohl von ausländischen Gästen als auch von schlecht sehenden Menschen sehr positive Rückmeldungen. Ein Gast, der das System in meiner Anwesenheit testete, war sehr erfreut darüber. Das Tablet ist in seinen einfach gehaltenen Funktionen einem Gerät sehr ähnlich, welches der Herr selbst zu Hause verwendet. So war eine gewisse Vertrautheit mit dem Mediaguide schnell gegeben.
Der Wunsch seitens des Museums ist es, das System im Zuge der Steigerung der Barrierefreiheit perspektivisch auf die gesamte Dauerausstellung auszudehnen. Die Möglichkeiten sind unendlich und es wäre fantastisch, wenn wir zusätzlich zu weiteren Fremdsprachen und einfacher Sprache weitere Vertiefungsebenen einfügen könnten und vielleicht sogar eines Tages Gebärdensprache in Form von Videos installieren könnten. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal schauen wir, wie die MuseumsbesucherInnen das System annehmen. Dann wird der Träger des Museums entscheiden, ob und wie das Projekt in die Zukunft geführt werden kann.
Ganz aktuell bedient der Mediaguide unsere Sonderausstellung „Alles Scheiße“, die noch bis zum 23. Juni zu sehen sein wird. Sie befasst sich mit der Ökologie, Ökonomie und Medizin hinter dem, „was hinten herauskommt“. Es geht beispielsweise um Elefantenpapier, Düngung, Kommunikation unter Tieren, Pflanzen und Pilze, die auf Kot angewiesen sind und Informationen, die wir aus Jahrmillionen Jahre altem Kot gewinnen können. Auch in den kommenden Sonderausstellungen kommt er natürlich zum Einsatz.
Ab dem 25. August wird im Pfalzmuseum eine große Lebendtier-Ausstellung über Spinnen und deren Verwandte gezeigt.

Vielen Dank für das Interview!

Besuchen Sie die Ausstellungen im Pfalzmuseum für Naturkunde und testen dort auch den NFC Mediaguide von tuomi.
Weitere Informationen zum Museum in Bad Dürkheim finden Sie hier: www.pfalzmuseum.de

Fotos: Pfalzmuseum für Naturkunde, Bad Dürkheim

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