#musetech in Luxemburg: Der DigitalDay 2019 im Letzeburg City Museum

Badge, enthielt das ganze Programm. Sehr praktisch. Immer informiert, aber Hände frei! Foto: tuomi

Am 25. April 2019 lud das Letzeburg City Museum anlässlich der Vorstellung der neuen Museumsguide-App zum Digital Day 2019 (Hier geht es zum Programm: https://digitalday2019.lu/#program). Dieses Treffen mit dem Motto „Culture meets technology“ war als Netzwerktreffen mit Pitches, Key Note Speeches und abschließender Panel Discussion konzipiert. Das Programm ließ den TeilnehmerInnen tatsächlich Zeit, sich sowohl über die vielfältigen Projekte zu informieren, die Vorträge und Diskussionen zu hören als auch Gespräche zu führen und die neue App im Museum zu testen.

 

Kurze Zusammenfassung einiger vorgestellter Projekte

Man nutzte den Tag natürlich auch dazu, all die digitalen Vermittlungsprojekte vorzustellen, die im Laufe der letzten Monate entstanden sind. Auch einige Projekte, die z.B. an der University of Luxemburg entwickelt werden, wurden präsentiert.

So kann man sich in der neuen MuseTechLounge des Museums, auch ohne die Ausstellung betreten zu müssen (oder aber nach dem Museumsbesuch), mit einigen der digitalen Vermittlungsprojekte des Museums beschäftigen. Der digitale 3D Avatar des Grafen Pierre-Ernest de Mansfeld wurde von Didimo (Portugal) umgesetzt und bringt den BesucherInnen ein zwar wichtiges, aber doch recht sprödes Porträtgemälde des 16. Jahrhunderts näher. Die Bedeutung des Grafen Mansfeld für die Geschichte Luxemburgs wird durch ihn selbst herausgestellt, während er den BesucherInnen von seinem Leben und seiner Residenz berichtet. (Hier kann man sich den Avatar ansehen: https://citymuseum.lu/de/news/pierre-ernest-de-mansfeld-comes-alive/gallery/9229/9172/?action=play)  Ein sehr interessanter Ansatz, allerdings wirkt der Avatar auf mich ein bisschen hölzern. Um annähernd lebensechte Ergebnisse zu erzielen, wie sie einem großen Publikum z.B. aus der Spieleindustrie oder aus Hollywood-Blockbustern bekannt sind, müssen für die meisten Museen allerdings unbezahlbare Summen investiert werden. Die Lounge bietet darüber hinaus Stationen, um unter anderem in einem digitalen historischen Stadtatlas zu stöbern, außerdem gibt es Sessel und Tische, wo die Museumskataloge und Publikationen ausliegen und Smartphones aufgeladen werden können.

Präsentation der Projekte von Christopher Morse Foto: tuomi

Interessant sind die Projekte, die Christopher Morse (University of Luxemburg, https://www.c2dh.uni.lu/people/christopher-morse) vorstellte. Eines seiner angestrebten Ziele ist das Finden von Methoden, um optimale „browsing experiences“ für Online Sammlungen zu kreieren. Er stellte die Frage, wie man Emotionen in Online Sammlungen bzw. das User Interface einbauen kann und sollte.

 

Urban Timetravel stellte seine VR City Tour durch die Stadt Luxemburg im 19. Jahrhundert vor. Da sehr viele Daten vorhanden sind, um eine sehr detailgetreue Nachbildung der Stadt zu erstellen, gibt das Projekt einen guten Einblick, wie sich die Stadt damals darstellte und sich bis heute verändert hat.

 

Die Key Note Speaker aus Amsterdam und Frankfurt/Main

Die beiden Key Note Speeches wurden sicher mit Spannung erwartet. Immerhin konnte man Wouter van der Horst, Educator Digital Learning am Rijksmuseum Amsterdam und Dr. Chantal Eschenfelder, Head of Education and Digital Collection, Städel Museum, Frankfurt als Speaker gewinnen.

Wouter van der Horst stellte vor allem zwei spannende neue YouTube-Channels vor: „RijksTube“  (https://www.youtube.com/channel/UCw56Qjdw497hQIXo1vzxjtQ) and „RijksCreative“ (https://www.youtube.com/channel/UCSyJmmPVVRZ3CIqm5lqSjMw). Beide Channels sollen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Mit der „RijksTube“-Serie „Is this art? Were art meets pop culture“ sollen die Menschen angesprochen werden, die sich eher für Marvel Comics, Memes oder andere Phänomene der Popkultur interessieren als für Kunst. Die Videos starten tatsächlich auch immer mit der Popkultur, z.B. den Werbebildern für Burger oder Kinoplakate für Avengers-Filme. Der dann gestellten Frage: „Is this art?“ wird dann durch die Gegenüberstellung mit Gemälden aus den Sammlungen des Rijksmuseums nachgegangen. Eine sehr kurzweilige und gleichzeitig informative Serie! Der zweite Channel richtet sich in einer völlig anderen Bildästhetik mit einer Art Tutorial an ein Publikum, das sich für künstlerische Techniken interessiert. Zwei sehr spannende Zugänge, die „virtuellen BesucherInnen“ mit der Sammlung in Kontakt bringen. Vielleicht auch die Menschen, die im Netz nicht nach den Kunstwerken suchen, sondern nach ganz anderen Dingen.

Frau Dr. Eschenfelder stellte die umfangreiche digitale Strategie und digitale Angebote des Museums vor. Deutlich wurde auch hier, dass unterschiedliche Angebote für BesucherInnen vor Ort im Museum (z.B. Museums-App, Audioguide) und für „virtuelle BesucherInnen“ (z.B. Online Sammlung und Digitorials) gemacht werden.

 

Die neue Museums-App „The Luxemburg story“

Nach der Panel Discussion zum Thema „Challenges of the digital: museums, collections, exhibitions“ wurde dann die neue App im Letzeburg City Museum vorgestellt.

In erster Linie soll diese App von den BesucherInnen auf dem eigenen Device installiert werden, bald soll auch eine kleine Anzahl Tablets als Leihgerät zur Verfügung stehen. Außerdem ist die App so konzipiert, dass sie im Museum genutzt werden kann, aber auch von überall sonst aus Zugang zu den Objekten bietet. Im Museum muss man dazu die Bluetooth-Funktion aktivieren, um so via Beaconinfrastruktur Informationen zu erhalten. (Leider wird man nicht darüber informiert, dass man die Bluetooth-Funktion des Smartphones aktivieren muss. Bei nicht aktivierter Bluetooth-Funktion wird automatisch der Outdoor-Mode aktiviert, d.h. es  werden den BesucherInnen alle ca. 50 Objekte, die auf 4 Etagen verteilt sind, angezeigt, aus denen man (dann ohne Navigations- und Orientierungshilfe) selbständig auswählen kann. Da sollte man wohl noch etwas nachbessern.) Momentan werden, wie gesagt, zu ca. 50 Exponaten Informationen angeboten, die informativ und kurzweilig gestaltet sind, mit sehr gutem Bildmaterial und zum Teil auch mit Videos ausgestattet sind. Eine stetige Erweiterung der Inhalte ist vorgesehen. Außerdem werden bislang 2 Audiotouren, ein Kids Quiz und allgemeine Informationen zum Museum geboten. Alles in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Eingangsbereich des Museums: QR-Code zum App-Download Foto: tuomi

Der App-Download hat relativ schnell geklappt. Im Eingangsbereich wird auch ein QR-Code angeboten, um die App schnell in den Stores zu finden. An sich ist die Bedienung auch nicht schwierig, wobei ich schon finde, dass die Startseite schon in dieser ersten Version eine wahnsinnige Fülle an Informationen und Möglichkeiten bietet, die den ersten Kontakt mit der App nicht sehr übersichtlich gestaltet. Den fehlenden Hinweis auf die Bluetooth-Aktivierung habe ich ja bereits angemerkt.

Da das Museum, das sich in einem mehrstöckigen, zum Teil unterirdisch gelegenen historischen Komplex befindet und unterschiedlich große, stark verwinkelte Räume aufweist, ist der Einsatz von Beacons nur raumweise möglich. D.h. konkret, dass, sobald man einen neuen Raum betritt, auf dem Bildschirm angezeigt wird, zu welchen Objekten Informationen angeboten werden. Angezeigt werden immer nur Fotos der fraglichen Objekte, die man im Raum selbständig auffinden muss. Diese einzelnen Fotos werden dann angetippt, um die Informationen zu erhalten. Nun gibt es folgendes, bekanntes Problem beim Einsatz von Beacons: Sobald man den Funkbereich eines Beacons verlässt und in den Funkbereich des nächsten Beacons gelangt, wechselt automatisch die Anzeige, auch während man noch am Lesen oder Schauen ist. Um diese Situation zu vermeiden, hat man sich in Luxemburg zu einem anderen Vorgehen entschieden: Damit das Signal des nächsten Beacons empfangen werden kann, müssen die NutzerInnen immer wieder zum Startbildschirm zurückkehren, also zur Ansicht, in der alle anwählbaren Raumobjekte angezeigt werden. Darüber werden die NutzerInnen nur leider nicht informiert. Wer diesen Schritt nicht vornimmt, verpasst die Möglichkeit, weitere Informationen zu entdecken.

Aber für eine der beiden Vorgehensweisen musste man sich eben entscheiden, auch wenn keine davon ideal und wirklich intuitiv ist. Die NutzerInnen müssen sich ziemlich viel mit „der Technik“ beschäftigen.

Nebenbei bemerkt hat die über längere Zeit eingeschaltete und genutzte Bluetooth-Funktion meinem Smartphone-Akku ganz schön zugesetzt.

 

Viel grundsätzlicher ist aber eine andere Frage: Wie sinnvoll und zeitgemäß ist ein digitales Produkt (übrigens ohne erkennbare barrierefreie Funktionen, wenn man einmal davon absieht, dass die Systemeinstellungen des Smartphones unter Umständen weiterhelfen können), dass einen Download auf das eigenen Smartphone erfordert und mit den identischen Inhalten innerhalb und außerhalb des Museums daherkommt? Ist es wirklich wahrscheinlich, dass sich eine relevante Anzahl von NutzerInnen die App (dauerhaft) installiert und von überall aus nutzt, um sich über die Objekte zu informieren? Viele namhafte und in der letzten Zeit häufig zitierte Studien lassen dies nicht vermuten. (z.B. stellvertretend hier, auch wenn es da vor allem um AR- und VR-Anwendungen geht: https://musermeku.org/nicht-newsletter-34-12-2018/)

Die Strategien im Rijksmuseum und im Städel sprechen ebenfalls eine ganz andere Sprache, wie es auch die Key Note Speaker aufzeigten. Museumsapps und Audioguides, dann auch auf Leihgeräten verfügbar, sind eher für die Dauer des Aufenthalts im Museum gedacht, Angebote wie Digitorials, Online Sammlungen oder YouTube Channels sprechen BesucherInnen außerhalb des Museums an. Genutzt werden hier Websites oder die Sozialen Medien, auffindbar sind diese Angebote z.B. über die Suchmaschinen und damit dort, wo sich die Menschen eh bereits aufhalten. Ein Download einer App auf das eigene Device wird hierbei nicht nötig.

Dies sind, wie schon gesagt, alles keine neuen Erkenntnisse. Ganz sicher kann man die Möglichkeiten (personeller und finanzieller Art), die ein Städel oder Rijksmuseum haben, nicht mit denen eines Stadtmuseums vergleichen, aber es geht mir hier ja auch um die ganz grundlegende Frage, wie man BesucherInnen im Digitalen ansprechen möchte und was davon tatsächlich funktioniert. Die Erfahrungswerte, die die größeren Häuser bereits sammeln konnten, können den kleineren Häusern bei der Suche nach Antworten durchaus weiterhelfen und Richtungen anzeigen, die erfolgversprechender sein können als die Entwicklung einer „One-in-all“-Museumsapp, egal wie gut sie auch gemacht ist.

 

Alles in allem war es aber ein sehr interessanter Nachmittag in Luxemburg. Ein herzlicher Dank für die Ausrichtung gilt allen MitarbeiterInnen des Museums und den AkteurInnen für den vielfältigen Input.

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